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2012-11-04 Googles trickreiches Geschäftsmodell

Ich lese des öfteren, wie toll lieb Google doch wäre:

Wie kommt es, daß Google die Menschheit mit soviel kostenlosem Internetkram versorgt? Und warum geht Google dabei nicht pleite?

Die Griechen haben den Trojanern auch etwas geschenkt: Ein hölzernes Pferd. Ein wenig später haben sich die Trojaner nicht mehr so über das Geschenk gefreut. Bei Google ist der Sinn der Geschenke nicht sofort erkennbar, aber er wird schnell offensichtlich, wenn man schaut, womit Google sein Geld verdient: Werbung im Web. Googles Kunden sind Unternehmen, die Werbung schalten, und Googles Ware sind die User, die im Web die Werbung konsumieren.

Wie jedes Unternehmen, so möchte auch Google wachsen. Darum liegt Google viel daran, seinen Markt zu vergrößern. Sie wollen mehr verkaufen. Google verkauft User, die Werbung im Web konsumieren. Je mehr User das Web benutzen, desto mehr kann Google an Werbung verkaufen. Wie bekommt man nun immer mehr Menschen dazu, immer meht Werbung im Web zu konsumieren? Mit den oben genannten Geschenken:

Als User hat man also erstmal das Gefühl, Google mache das alles aus Gutherzigkeit. Ein Kälbchen beim Bauern freut sich auch, daß es so gut kostenlos gefüttert wird. Das tut der Bauer, weil das Kalb nicht der Kunde, sondern die Ware ist. Das Kälbchen wird nach einem halben Jahr geschlachtet und verkauft. Wenn man etwas bezahlt, ist man der Kunde. Wenn man etwas geschenkt bekommt, ist man die Ware – in irgendeiner Form. Preisausschreiben beispielsweise dienen der Adreßbeschaffung.

Die Ware, die Google verkauft, sind die User und ihr Werbekonsum. Und damit es immer mehr Werbekonsumenten gibt, die immer mehr Webwerbung konsumieren, stellt Google die Infrastruktur dafür zur Verfügung. Google verdient sein Geld nicht an der Nexus-Hardware, sondern an den Webseiten, die der Konsument mit seinem Nexus besucht. Google verdient sein Geld auch nicht an Android, was es kostenlos an Gerätehersteller abgibt und zwar quelloffen, damit sie das System auch individuell anpassen können an ihre Gerätemarke, was die Akzeptanz der Gerätehersteller für Android erhöht. Google verdient an den Benutzern der Android-Geräte, wenn sie im Web surfen und Werbung konsumieren.

Im Kontrast zu Google besteht beispielsweise Apples Geschäftsmodell unter anderem darin, phantastisch zu benutzende Geräte zu verkaufen und damit Geld zu verdienen. Da Google an seinen Geräten kein Geld verdienen muß, können sie diese aus Verbrauchersicht billig verkaufen. Sind sich die Leute bewußt, daß Google all diese Sachen kostenlos oder günstig anbietet, nur um uns immer besser als Werbekonsumenten verkaufen zu können? Wir Menschen sind die Ware, die Google verkauft.

Amazon macht übrigens dasselbe mit seinen Geräten wie dem Kindle Fire: Die werden zu einem ruinösen Preis an die Konsumenten gebracht, die damit dann digitale Bücher kaufen. Das Gleiche tut auch Barnes & Noble mit dem Nook.

Dadurch, daß die Gerätehersteller, die Android verwenden, dieses quelloffene System beliebig anpassen dürfen, ist es nicht nur für sie attraktiver, weil sie es damit als eigenes System präsentieren und sich von den anderen abheben können, sondern hat auch einen entscheidenden Nachteil: Jede Aktualisierung von Android muß der jeweilige Hersteller in sein angepaßtes System einpflegen. Daran haben die Hersteller aber kein großes Interesse, weil sie daran nichts mehr verdienen. Und Google nimmt das billigend mit seiner Lizenz an die Hersteller in Kauf, weil es ihnen in erster Linie darum geht, möglichst viele Android-Geräte im Markt zu haben. Werbung konsumieren kann man auch mit der ältesten Android-Version. Und selbst wenn sich ein Android-Lizenznehmer die Mühe macht, sein System zu aktualisieren, dann müssen meist auch noch die Mobilfunk-Anbieter mithelfen bei der Verteilung des Updates. Und Mobilfunkanbieter verdienen auch nichts beim Verteilen der Updates.

Ironischerweise haben Apples Mobilgeräte jedoch den größeren Anteil am Web-Traffic. Manche Statistik sieht den Anteil der iOS-Geräte am Web-Traffic bei 60%. Offenbar sind iOS-Geräte die attraktiveren Geräte für das Surfen im Web. Von daher sollte sich Google über jedes verkaufte iPhone, iPad oder iPod Touch freuen.

Man merkt Google an, daß sie uns Verbraucher noch nicht so recht als Kunden wahrnehmen, sondern immer noch hauptsächlich als Endpunkt ihrer Werbungs-Ertrags-Kette gewohnt sind. Denn beim direkten Verkauf an Endkunden, hat Google anscheinend noch etwas Lernbedarf, was Kunden-Service angeht. Das verwundert mich sehr, weil Google ja ein US-amerikanisches Unternehmen ist und man dort Dienst am Kunden größer schreibt als in Deutschland. In dem verlinkten Fall war es so, daß ein Galaxy Nexus Smartphone direkt bei Google gekauft wurde und dieses nach 21 Tagen defekt war. Google war jedoch nicht bereit, dieses Gerät zu tauschen. Bei Apple habe ich da ganz andere Erfahrungen gemacht.

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Markus MöllerLatest Update: 18. November 2012 at 12:31h (german time)
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Written by: Markus Möller

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